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Wie ich zu Reischdorf kam

Ein Beitrag von Gerd Renner    20.02.2003

 

Der Eine oder Andere wird sich vielleicht fragen, wie ich dazu komme, eine Homepage für Reischdorf zu gestalten.

Diese Frage möchte ich etwas ausführlicher beantworten:

Ich bin 49 Jahre alt und kann schon deshalb nicht in Reischdorf geboren sein. Auch meine Eltern oder Großeltern waren keine Reischdorfer. Aber als ich begann, meine Familiengeschichte zu erforschen stieß ich auf ein altes Foto mit zwei sehr alten Menschen darauf und den Hinweis, es handele sich um Sophie und Carl Renner aus Rothenthal bei Greiz (Thüringen). Sophie sei um das Jahr 1797 in Prag und Carl ebenfalls um 1797 in Breslau geboren. Bald stellte sich heraus, dass Sophie eigentlich Josepha Theresia Panhans hieß und nicht aus Prag stammte, sondern 1798 in Reischdorf / Böhmen geboren war. Aber wo zum Teufel war denn nun das Reischdorf zu finden? Das Internet half und auch diese Hürde konnte bald genommen werden. Nun kam es auf den Beweis an. Und wieder hatte ich Glück! Dieses Mal waren es die Mormonen, mit deren Hilfe ich Gelegenheit bekam, die Filme von den reischdorfer Kirchenbüchern einzusehen. Mann, waren da viele Panhanse drin und dazu die vielen gleichen Vornamen! Was für ein verwirrendes Buch!?

  Josepha Theresia Renner (geb. Panhans) und Johann Carl Andreas Renner

Aus den Kirchenbüchern von Sophies letztem Wohnort und einigen inzwischen gefundenen anderen amtlichen Dokumenten war zu entnehmen, dass Josepha Theresia Panhans und Johann Carl Andreas Renner im Jahre 1820 in Breslau geheiratet haben und glücklicherweise war Sophies Name in der fraglichen Zeit tatsächlich nicht mehrfach vorhanden. Den endgültigen Beweis erbrachte schließlich folgender Fund: Der einzige Panhans- Eintrag im Kirchenbuch von Reischdorf, der mit einem Nachtrag über die Ausstellung einer Urkunde zwecks Heirat im Ausland versehen war, gehörte zu Josepha Theresia Panhans, also zu meiner Sophie und passte zeitlich ganz genau. Nun begann ein emsiges Forschen und natürlich wollte ich Reischdorf (ca. 2 Autostunden von meinem Zuhause entfernt) auch besuchen.

Als ich dann zum ersten mal mit meiner Familie diesen Ort besuchte, traute ich meinen Augen nicht, was ich dort fand. Ich habe meine ersten Eindrücke bildlich festgehalten und ein paar der traurigen Reste dieses, wie ich später erfuhr, doch so großartigen Dorfes im Folgenden dokumentiert.


So fand ich Reischdorf vor
Der Bahnhof, neben einem alten Lagerhaus das einzige noch stehende Gebäude, ist den Verfall preis gegeben und inzwischen einsturzgefährtet. Immerhin zeugt ein aktueller Fahrplan noch von der Nutzung der Bahnstation.

Foto: G.Renner 08.2002
Blick vom Bahnhof über das ehemalige Reischdorf in Richtung Preßnitz. Deutlich ist der Preßnitzstausee zu erkennen, in dem die Nachbarstadt von Reischdorf versank.

Foto: G.Renner 08.2002
Mauerreste in der Gabel, schräg gegenüber vom einstigen alten Friedhof.

Foto: G.Renner 08.2002
Wo früher der alte Friedhof war, steht erfreulicher Weise heute noch der im Jahre 1893 errichtete Opelisk zu Ehren der reischdorfer Kriegsopfer in den Feldzügen von 1848/49 - 1878. Dieser Opelisk wird von den Reischdorfer Heimatfreunden noch liebevoll gepflegt.

Foto: G.Renner 08.2002
Bei den Steinen auf diesem Foto handelt es sich scheinbar um bauliche Überreste der Kapelle St. Martin (Martinskirche) auf dem alten Friedhof.

Foto: G.Renner 08.2002

Warum ich diese Homepage erstellt habe

 

Der Ehrgeiz war geweckt und ich wollte nun mehr über das historische Umfeld meiner Ahnen erfahren. Dabei hatte ich wiederum großes Glück. Denn Reischdorf hatte bis zur Vertreibung seiner Bewohner nicht nur eine großartige Geschichte, sondern hat auch vielleicht gerade wegen seiner Geschichte und der besonderen geographischen Lage auf dem Erzgebirgskamm sehr freundliche Meschen hervor gebracht.
So stieß ich sehr schnell auf die großzügige Hilfe von Herrn Franz Dittrich, Herrn Walter Enzmann, Herrn Volker Küstner und Herrn Bernd Fischer, die ich hier stellvertretend nennen möchte und die mich sofort und sehr freigiebig mit Material und Informationen versorgten. Außerdem gilt mein Dank den Damen im Stadtarchiv der Stadt Kaaden, die mir sehr bereitwillig geholfen haben, meine ersten Informationen über Reischdorf zu sammeln, sowie meiner Frau Edith Renner, meiner Schwester Gudrun Häßner und meinem Schwager Kurt Häßner, auf deren tatkräftige Unterstützung ich bei meinen Nachforschungen immer zählen kann.

Inzwischen habe ich sehr viel über die Geschichte von Reischdorf, seiner Umgebung, ja darüber hinaus über das Erzgebirge, Deutschland und Europa erfahren, so dass sich aus dieser Erkenntnis heraus für mich einfach der Wunsch ergab, einen kleinen Beitrag für die Bewahrung dieses Ortes und seiner wechselvollen Geschichte zu leisten.
Und irgendwie bin ich ja doch ein Reischdorfer.

Crimla am 20.Februar 2003    © Gerd Renner